Strohbau-Techniken
Lasttragender Strohballenbau oder Holzständerbau?

Der lasttragende Strohballenbau (v.a. der Nebraska-Stil) ist in Gegenden entstanden, wo es wenig Holz und kaum Feuchtigkeit gibt. Genau für diese Gegenden und v.a. für kleinere Gebäude ist er sicher eine gute Wahl. Zudem lassen sich organische Formen (Rundungen, Bögen, Gewölbe) leichter in lasttragender Technik gestalten. Allerdings werden größere lasttragende Gebäude (mit Kleinballen als Bau- und Dämmstoff) zur Aussteifung der Wände in den meisten Fällen mit Zementputz verputzt, alle Berechnungen zu Setzung und Verhinderung von Durchbiegung durch Lasten und Windkräfte basieren auf diesem Sandwitch-System mit der besonders harten und aussteifenden Zementschichte. Baubiologisch zu empfehlen ist das nicht, weshalb (bei Wohngebäuden) auch in den USA immer mehr zum Holzständerbau übergegangen wird.

Der Holzständerbau hat die Vorteile, dass es keine oder kaum Setzungen in der Strohballen-Dämm-ebene gibt, schneller gearbeitet werden kann, dass die Vorfertigung der Bauteile (Wand, Bodenplatte, Dach) in der Halle möglich ist, dass Fassaden und Installationen leichter zu befestigen sind und dass man dafür leichter Baubewilligungen erhält. Zudem können die Oberflächen der mit aussteifenden Platten (z.B. OSB, Strohfaserplatte) oder Rauschalung (Diagonallatttung) beplankten Wände nach Belieben verputzt (Lehm-, Ton-, Trassitkalkputz) oder mit einer hinterlüfteten Holzfassade beplankt werden (siehe dazu unseren Artikel über baubiologische Baustoffe).
Im Wesentlichen unterscheiden wir im Strohballenbau folgende konstruktive Techniken:
1. Lasttragend ohne Vorspannung
Die Ballen werden wie Ziegel im Versatz (ohne Mörtel) aufgemauert und mit Stangen (Holz, Bambus, Metall) innen oder außen versteift. Nach dem Setzen (4–6 Wochen) kann die Wand direkt verputzt werden.
2. Lasttragend mit Vorspannung (Beispiel aus der Galerie)
Aufbau wie bei lasttragenden Wänden, nur wird das natürliche Setzen durch Spannvorrichtungen wie Gurte und Seile oder Klammern und Pressen (außen) bzw. Gewindestangen (innen) künstlich herbeigeführt.
3. Lasttragend mit Großballen (Beispiel aus der Galerie)
Großballen haben nicht nur aufgrund ihrer höheren Dichte einen besseren Dämmwert, sie sind auch höher belastbar und daher statisch bestens für den lasttragenden Strohballenbau geeignet.
4. Rundungen, Nischen, Gewölbe (Beispiel aus der Galerie)
Da Strohballen leicht bearbeitet – gekürzt, gebogen oder abgeschrägt – werden können, sind "organische" Rundungen, Nischen, Bögen und Gewölbe vor allem bei lasttragenden Strohballen-Wandsystemen möglich.
5. (Holz)-Rahmenbauweise "infill" (Beispiel aus der Galerie)
mit Strohballen-Dämmung zwischen den Holzständern: Die Strohballen werden in diesem Fall nicht tragend als Dämmstoff in die Zwischenräume geschlichtet und evtl. verdichtet, um Setzung zu vermeiden.
6. Tragende Holzbox mit Dämmebene (Beispiel aus der Galerie)
Die Strohballen werden außen vor eine massive Wand (wie z.B. eine KLH-Holz-Box) gesetzt und bilden eine durchgehende Wärmedämmschicht. Die Ballen können z.B. mit Holzspritzguss-Schrauben befestigt werden.
7. Ständerkonstruktion außen gedämmt (Beispiel aus der Galerie)
Die Strohballen werden außen vor eine Riegelkonstruktion gesetzt und bilden eine durchgehende Wärmedämmschicht. Je nach Dämmhöhe werden die Strohballen versteift oder an der Konstruktion befestigt.
8. Nachträglicher Vollwärmeschutz (Beispiel aus der Galerie)
Eine Außendämmung aus Strohballen wird mit einer Hilfskonstruktion aus Holz o.ä. vor bestehende Mauern oder Wände (z.B. schlecht gedämmte Gebäude, ungedämmte Hallen, Scheunen etc.) gesetzt.
9. Strohballendächer (Beispiel aus der Galerie)
Strohballen werden entweder zwischen die (aufgedoppelten) Dachsparren als Wärmedämmung eingefüllt oder als durchgehende Wärmedämmschicht mit einer Hilfskonstruktion auf einer F60-Schalung befestigt.
10. Strohgedämmte Bodenplatten (Beispiel aus der Galerie)
Strohballen werden wie bei der Rahmenbauweise zwischen die Sparren eingefüllt und – beidseitig verschalt – auf die Fundamentmauern oder hinterlüftet auf eine Fundamentplatte gelegt.
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Details zu den hier genannten gebräuchlichsten Strohbau-Techniken und Konstruktionen erfahren Sie im Buch Neues Bauen mit Stroh




























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